Die Kirchen der Evangelische Kirchengemeinde Maria-Magdalenen Templin

DIE ST.- MARIA- MAGDALENEN- KIRCHE
Hauptkirche der evangelischen Gemeinde Templin

Die St. Georgenkapelle

Die Stadt Templin wurde um 1230 gegründet und urkundlich erstmals 1270 erwähnt. Die Maria- Magdalenen- Kirche steht auf den alten Fundamenten ihrer mittelalterlichen Vorgängerinnen auf dem ursprünglichen Begräbnisplatz der Stadt. Der älteste Kirchenbau ist 1492 abgebrannt. Die zweite Kirche stand nur bis 1530, der dritte Bau bis 1618. Immer baute man die Kirche schnell wieder auf. Ein alter Stich (1652) von Merian zeigt die Silhouette von Maria- Magdalenen mit hohem Dach und abgetrepptem Turm, ähnlich den drei Stadttoren. Allein aus der Höhe des Daches kann man schließen, dass die Kirche im Inneren gewölbt war und nicht wie heute eine flache Decke trug. Wahrscheinlich war es noch ein gotisches Kreuzrippengewölbe.
1539 hielt die Reformation Einzug in Brandenburg, so auch in Templin. Die Kirche hieß bis dahin, wie zahllose andere Kirchen, Marien-Kirche und wurde zu dieser Zeit in Maria-Magdalenen- Kirche umgetauft.
Maria-Magdalena fand durch die Begegnung mit Jesus zu einem neuen Leben. Sie folgte ihm nach und wurde eine der ersten Zeuginnen der Auferstehung Jesu Christi.
Am 24. August 1735 wurde Templin wieder von einem furchtbaren Stadtbrand heimgesucht. Maria-Magdalenen brannte bis auf den Turmsockel und die Sakristei nieder. Der Feldsteinsockel, der älter ist als Merians Stich und aus der Zeit vor den Bränden von 1618 und 1530 stammt, reicht bis in die Feldsteinbauzeit zurück. Das aus behauenem Feldstein abgestufte Westportal zeigt noch den alten gotischen Spitzbogen. Die Sakristei ist der zweitälteste Bauteil, dieser Anbau ist im Inneren heute noch Zeuge der gotischen Bauweise. Dort kann man das sehr gut erhaltene Rippengewölbe bewundern. Der Wiederaufbau nach dem großen Brand 1735 war schwierig. Bedingt durch Geldnot in städtischen und landesherrlichen Kassen dauerte er 14 Jahre. Patron von Maria-Magdalenen war der preußische König. Friedrich II. befand sich damals in den schlesischen Kriegen, die dem Land große finanzielle Opfer abverlangten. Erst 1749 konnte die Kirche eingeweiht werden. Davon zeugt die Inschrift über dem Südportal in einem überdachten Korbbogen:
Der Turmaufbau wurde zwei Jahre später vollendet. In vier Absätzen erhebt er sich 70 m hoch über dem alten Feldsteinsockel. Der Turm trägt in seiner Mitte eine steinerne Brüstung, der eingezogene Teil eine Laterne mit Spitzhelm.
Die Kirche erhielt 1749 äußerlich ihre heutige Gestalt. Eine durchgreifende Erneuerung und Restaurierung fand in den Jahren 1877- 1878 statt. Die Arbeiten erstreckten sich auf die Entfernung des alten Gestühls, der beiden übereinanderliegenden Seiten-Emporen, der alten Fliesen und Fenster; lediglich die Orgelempore blieb erhalten. Unter viel Aufwand baute man in die Kirche eine neue Kanalheizungsanlage ein, und umfangreiche Reparaturarbeiten am Dachstuhl wurden ausgeführt. Die alte, glattgeputzte Decke wurde in eine Holzdecke umgewandelt. Die vier Chorfenster wurden neu verglast und erhielten die Bilder der 4 Evangelisten. 1944 sind die Fenster beim Bombenangriff teilweise beschädigt worden. 1962 erhielt die Kirche eine Renovierung, bei der man auch die Chorfenster, diesmal sehr schlicht, neu verglaste.
Nach der Einweihung der Kirche 1749 dauerte die Vollendung des Orgelbaues noch etwa zwanzig Jahre. Das neue Instrument baute Gottlieb Scholtze mit 27 Registern. 1855 fügte Karl August Buchholz in das Gehäuse eine neue Orgel mit 37 Registern ein. 1921 bauten Gebrüder Jehmlich in das Gehäuse eine neue Orgel mit 59 Registern, später auf 61 erweitert. Es war damals ein modernes, sehr kompliziertes Werk. 1994 erfolgte ein Neubau durch die Potsdamer Orgelbaufirma SCHUKE als rein mechanische Schleifladenorgel mit 38 Registern auf drei Manualen und Pedal. Als Begleitinstrument für die kirchenmusikalischen Aufführungen der Kantorei Templin dient die kleine Sauer-Orgel im Chorraum, erbaut 1990.
 

Glückliche Umstände haben die St. Georgen- Kapelle weitgehend vor Zerstörungen durch die zahlreichen Stadtbrände bewahrt. So zeigt sich der in der Berliner Straße (ehemals Königstraße) unweit des Berliner Tors errichtete Sakralbau in seiner ursprünglichen Gestalt des ausgehenden 14. bzw. frühen 15. Jh. St. Georgen gilt heute neben der Stadtmauer als das älteste Gebäude der Stadt Templin. Zunächst als Kapelle des benachbarten Heilig-Geist-Spitals und als Teil eines Minoritenklosters unter anderem als Grablege genutzt, erfolgte der Patronats- und Namenswechsel spätestens
im 16. oder 17. Jh. Das eigentliche Georgsspital (13. Jh.) war möglicherweise 1492 von außerhalb in die Stadt verlegt worden. Ob und wo es eine St. Georgen- Kapelle vor den Toren Templins gegeben hat, lässt sich nicht mehr sicher feststellen.
Nach der Reformation 1539 wurde das Hospital in einen Beginenhof umgewandelt. Hier hatten alleinstehende Frauen, später auch Ehepaare, ein Obdach in klosterähnlicher Gemeinschaft ohne strenge Gelübde, wie man es ähnlich häufig in den Niederlanden findet. Das in den Grundmauern wohl auch aus dem 14. Jh. stammende Spitalgebäude wird heute durch die Aufstockung aus der Mitte des 19. Jh. geprägt.
Durch den großen Stadtbrand 1735 wurden das Dach, Fenster und Türen der Kapelle zerstört, doch bald wieder hergerichtet. Weiter nahm der Kirchenbau Schaden durch die französische Besetzung 1806-08, während der das Bauwerk als Magazin und Pferdestall missbraucht wurde. Der Verfall schritt auch danach voran, bis 1864 die Restaurierung eingeleitet wurde. Bei dieser Gelegenheit erneuerte man auch das Innere der Kapelle grundlegend. Am 2. Mai 1866 konnte sie feierlich geweiht werden. Weitere Renovierungen folgten um 1936 und 1963. Nachdem die Kapelle erst 1993 neu eingedeckt worden war, musste 1996/97 der Dachstuhl wegen Hausschwammbefalls weitgehend erneuert und der Bau komplett instand gesetzt werden.

Der Kirchenbau

Die Giebelseite zur Straße bildet als Schaufront das Gesicht des turmlosen Kapellenbaues. Die Gliederung erfolgt ganz im Stil der frühen Backsteingotik mit vier Fialen auf den Dachschrägen, schlichten Blendmaßwerk und Lanzettbögen als Blenden. Prägend ist dabei der rote Backstein, der durch die weiß gekalkten Rücksprünge im Eindruck bestärkt wird. Ein dreiteiliges Maßwerkfenster mit Drei- und Vielpässen über dem vierfach gestuften Spitzbogenportal bilden mit diesem zusammen die Mittelachse. Durch einen kleinen Vorraum führt der Weg unter der Empore in das Innere der Kapelle. Hier öffnet sich dem Besucher ein einschiffiger zweijochiger Kirchenraum mit polygonalem Chorschluss und tief heruntergezogenen Kreuzrippen und Gurtbögen in Birnstabprofil. Unterfangen werden diese an den Wänden durch Konsolen mit sorgfältig ausgearbeiteten, stilisierten Blumen, Weinlaub und Efeu als Symbole für ein Leben in Christus. Ochsenblutrot gefasst, heben sich die Gurte und Rippen deutlich von den weißen Wänden und Gewölbefeldern ab. Den im Langhaus fensterlosen Raum belichten die hellen, nur leicht farbig akzentuierten Fenster des Chorschlusses. Je zwei lang gezogene Lanzettbögen und ein Dreipass bilden die Grundform des einfachen Maßwerks. Im Westen hat auf einer hölzernen Empore die Orgel ihre Aufstellung gefunden. Mit einem Manual, Pedal und sechs Registern ausgestattet, stammt sie aus der Orgelbauwerkstatt Alexander Schuke in Potsdam (1980).